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Eisenhart

Technologische Entwicklungen in Richtung „Cyborgs“ schreiten voran. Werden wir in Zukunft alle mechanische Bauteile in unserem Körper tragen?

Manchmal ist es ganz einfach, Science-Fiction-Produkte nachzubauen. So stellte der Brite Richard Browning mit seinem Start-up Gravity  2017 eine Rüstung her, die stark an jene des Superhelden Iron Man („Tony“ Stark) erinnert. Anhand sechs kleiner Turbinen, die an Armen und Beinen befestigt sind sowie einem Tank im Rucksack, gelang es dem ehemaligen Marineinfanterie-Reservisten, in hohe Lüfte abzuheben. Das zugehörige Video ist zwar eine Art Beweis, dass solche Spielereien grundsätzlich funktionieren können – gleichzeitig werden aber auch die großen technischen Mängel erkennbar. An die Rüstung des Superhelden Iron Man kommt das Experiment nämlichkeinesfalls heran. Diese war im Film von 2008 ein wahres High Tech-Produkt: mittels eines tragbaren Exoskeletts, mit verschiedenen Waffensystemen ausgerüstet, konnte Stark problemlos in der Luft herumfliegen. Angetrieben wurde der gepanzerte Anzug von einem Reaktor in Starks Brust.

Generell schreiten die Entwicklungen in Richtung „Cyborgs“ voran (darunter wird in der Science-Fiction die Symbiose aus Mensch und Maschine verstanden, Anm.). Menschen lassen sich mechanische Bauteile in ihren Körper implantieren und gewinnen so meist verlorengegangene Fähigkeiten zurück. Herzschrittmacher, Cochlea-Implantate (Hörprothesen, wo Schallwellen in elektrische Impulse umgewandelt und vom Gerät an den Hörnerv weitergeleitet werden, Anm.) und gelaserte Augen zählen heute im engeren Sinn bereits dazu. Aber welche Innovationen könnten uns in Zukunft tatsächlich zu Cyborgs werden lassen?

Kopf

Der britische Künstler Neil Harbisson bezeichnet sich selbst als eine „trans-species“. Dazu hat er allen Grund: er ließ sich 2003 eine Antenne in seinen Kopf einsetzen, mittels derer er Farben hören und Vibration spüren kann – sogar jene, die sich im unsichtbaren Infrarot- und Ultraviolett Bereich befinden. Dies funktioniert, da das ausgesandte Lichtspektrum in den hörbaren Schall- und sogar bis in den Knochenbereich weitergeleitet und damit „fühlbar“ wird.

In Zukunft könnten aber noch ganze andere Dinge Realität werden, die gleichsam interessant wie auch umstritten sind. Brain-Machine-Interfaces (BMI) bezeichnen direkte Schnittstellen zwischen dem menschlichen Gehirn und einem Computer. „Fühlende“ Armprothesen oder Roboterarme, wo Gliedmaßen über Nervenimpulse gesteuert werden, fallen darunter. Doch auch ohne physische „Hilfsmittel“ soll im Internet surfen, E-Mails verfassen, malen oder komponieren für Menschen, die sich kaum bewegen können, möglich werden. Ein EEG-Gerät (Elektroenzephalogramm) nimmt dabei elektrische Signale auf, die von den Nervenzellen im Gehirn ausgesendet werden. Ein Computer wertet diese Signale aus und sendet sie an die Maschine, die gesteuert werden soll; also ein Computerprogramm, ein Rollstuhl etc. So leicht funktioniert es aber dann doch nicht: denn die spezifischen Signale, die der Mensch aussendet, müssen erst vom EEG erkannt werden können.  

Arm

Der ehemalige Direktor der Biotechnik-Abteilung der DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency) Geoffrey Ling forschte bis 2016 an bionischen Armen. Einer der ersten Kunden war die querschnittsgelähmte Frau Jan Scheuermann, die es schaffte, mittels Gedanken ihren Arm zu steuern. Sie wurde außerdem an einen Flugzeugsimulator angeschlossen, um einen F35-Jet durch die Lüfte zu steuern. Scheuermann schlug sich gut – besonders, da sie den Vorteil nutzte, dass ihre Gehirnaktivität sich direkt auf den Simulator richtete und nicht erst auf den Arm und dann den Steuerknüppel, wodurch Latenzzeit verloren ging.

Oberkörper

Das britische Unternehmen „Cyborg Nest“ bot seinen Kunden 2016 Kurioses an: ein kleiner Chip namens „North Sense“ wurde in den Brustbereich eingesetzt, um den Nutzer über Vibrationen spüren zu lassen, wo die Himmelsrichtung Norden liegt. Der Hightech-Kompass wird im Onlineshop nach wie vor mit einem Preis von 425 US-$ angeführt, einzig: er ist „Sold out“. Ob dies ein Hinweis auf die bereits gegebene große Markttauglichkeit oder dafür ist, dass nur eine verschwindend kleine Menge produziert, und rasch wieder verkauft wurde, bleibt offen.

Bein

„In Zukunft wird es keine Körperbehinderungen mehr geben“, ließ Hugh Herr 2015 am SXSW Festival in Texas verlautbaren. Herr ist Gründer des Center for Extreme Bionics am MIT Media Lab, das sich auf Erforschung und Herstellung intelligenter Prothesen und Exoskelette spezialisiert hat. Der Ingenieur verlor 1982 bei einer Klettertour am Mount Washington (New Hampshire) beide Beine unterhalb der Knie. Mit den prothetischen BiOM-Beinen lernte Herr aber wieder Klettern zu gehen. Diese werden von Batterien angetrieben und ermöglichen es, mittels eingebauter Federn zu gehen und auch zu rennen.

Illustrationen: Valentin Berger
Autor: Niklas Hintermayer

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Editorial Team

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